Seit rund einem halben Jahr sind Ursula und Marco Meier. Er ist aus dem Haus ausgezogen, sie kümmert sich um den Haushalt und die zwei Töchter. Ursula Meier ist es wichtig, sich über die finanziellen Auswirkungen ihrer Scheidung im Bezug auf die Altersvorsorge zu informieren und sucht deshalb einen Kundenberater der St.Galler Kantonalbank auf, der ihr mit Hilfe einer Vorsorgeanalyse genau aufzeigt, mit welchem Budget sie im Alter rechnen kann und welche Vorsorgelücken sie noch schliessen sollte.

Erste Säule: Die Situation bei der staatlichen Vorsorge

Die Teilung der ersten Säule ist klar geregelt: Das während der Ehe durchschnittlich erzielte Jahreseinkommen wird geteilt. Dabei gilt folgender Grundsatz: Die Ehefrau erhält die Hälfte des einbezahlten AHV-Einkommens des Ehemanns und dieser die Hälfte des von der Ehefrau einbezahlten Lohnes. Was die beiden vor der Ehe verdient haben und nach der Scheidung verdienen werden, wird nicht geteilt.

Denken Sie daran: Das Splitting muss bei der AVH beantragt werden. Am Besten tun Sie dies unmittelbar nach der Scheidung. Sie ersparen sich damit unnötige Abklärungen und Umtriebe vor der Pensionierung.

Geklärt werden muss auch, wer die so genannten Erziehungsgutschriften nach der Scheidung erhält. Da Frau Meier das alleinige Sorgerecht für die beiden Kinder zugesprochen wurde, erhält sie bis zum 16. Geburtstag ihrer Mädchen jährlich eine Gutschrift im Umfang von CHF 42120.- auf ihr AHV-Konto gutgeschrieben. Aber Achtung: Die Beitragspflicht bei der AHV ist ohne Erwerbseinkommen nicht erfüllt. Denn die Erziehungsgutschriften können Lücken nicht vollständig schliessen. Frau Meier muss sich als Nichterwerbstätige bei der Ausgleichskasse der AHV melden. Die Beiträge, die sie zu begleichen hat, werden nach Renteneinkommen und ihrem Vermögen berechnet und können so zwischen dem Minimalbetrag von CHF 480.- bis zu CHF 24000.- variieren.

Hätten die Beiden übrigens das gemeinsame Sorgerecht vereinbart, wäre auch in Zukunft die Erziehungsgutschrift je hälftig aufgeteilt worden.

Zweite Säule: Der Ausgleich in der beruflichen Vorsorge

In der zweiten Säule wird das Vorsorgeguthaben im Falle einer Scheidung unter beiden Ehepartnern zu je 50 Prozent aufgeteilt. Damit die Teilung der Gelder korrekt ausgeführt werden kann, muss klar sein, welchen Betrag jeder Einzelne während der Ehe in die zweite Säule einbezahlt hat. Diesen Betrag finden Sie in den Ausweisen Ihrer Pensionskasse. Kann die Guthabensteigerung nicht mit Kontoauszügen oder Versicherungsausweisen nachgewiesen werden, wird die Zunahme anhand einer vorgegebenen Tabelle des Eidgenössischen Departements des Inneren ermittelt.

Dieser Vorsorgeausgleich wird jedoch nicht bar ausbezahlt, sondern wieder in die eigene Pensionskasse einbezahlt. Da Ursula Meier momentan keiner Pensionskasse angeschlossen ist, wird das Geld auf einem Freizügigkeitskonto deponiert, bis sie sich wieder einer Pensionskasse angeschlossen hat. Zudem gilt: Eigenes Geld (Eigengut, z.B. aus einer Erbschaft oder Geld, das in die Ehe eingebracht wurde), welches während der Ehe zusätzlich in die Pensionskasse einbezahlt wurde, muss nicht geteilt werden. In der zweiten Säule mussten die Meiers keinen Antrag auf Splitting einreichen – die Teilung der Gelder ist Teil des Scheidungsurteils. Das Gericht schickt dabei die notwendigen Ausschnitte des Urteils direkt an die Pensionskasse, die daraufhin die Ausgleichszahlungen vornimmt. Im Fall von Frau Meier, die keiner Pensionskasse angeschlossen ist, erkundigt sich das Gericht nach den Daten ihres Freizügigkeitskontos.

Dritte Säule: Die private Vorsorge

Die Gelder der Säule 3a zählen zur sogenannten Errungenschaft – ausser, wenn aus Eigengut finanziert (Beweispflicht) – und werden bei einer Scheidung ebenfalls aufgeteilt. Genau wie in der zweiten Säule wird dieses Geld aber nicht bar ausbezahlt, sondern muss in die gebundene Vorsorge, also beispielsweise in ein neues 3a-Konto der St.Galler Kantonalbank, einbezahlt werden.

Was, wenn der Ex-Mann stirbt?

Was ist, wenn Marco Meier plötzlich stirbt und die Alimentenzahlung ausbleibt? Immerhin ist Ursula Meier auf dieses Geld angewiesen. Da die Eheleute Meier mehr als zehn Jahre verheiratet waren, steht Frau Meier eine sogenannte Witwenrente zu, die von der AHV ausbezahlt wird. Und das so lange, bis sie selbst das Pensionsalter erreicht hat. Aus dem BVG, also der zweiten Säule, erhält sie zudem eine Ehegattenrente. Da die Meiers länger als zehn Jahre verheiratet waren und Frau Meier über 45-jährig ist, erhält sie diese lebenslang. Dazu kommen die Waisenrenten für die beiden Mädchen hinzu, bis diese ihre Ausbildung abgeschlossen haben, längstens jedoch bis zu deren 25. Geburtstag.

Eine Vorsorgeanalyse und Pensionsplanung verschaffen die nötige Klarheit

Wissen Sie, mit welchen Renten Sie im Pensionsalter rechnen können? Oder wie Sie und Ihre Kinder im Vorsorgefall abgesichert sind? Seien Sie sich bewusst, dass Sie bei Ihrer Vorsorgeplanung nicht nur der Altersvorsorge Beachtung schenken, sondern immer auch den Gedanken einer möglichen Invalidität im Hinterkopf behalten.

Auf jeden Fall empfehlen wir allen Erwerbstätigen, wenn immer möglich den Maximalbetrag von CHF 6739.- (Stand 2014) in die dritte Säule einzuzahlen. Mit dieser Art Selbstvorsorge schaffen Sie einen gewissen Ausgleich und können erst noch Steuern sparen. Auch Einkäufe in die Pensionskasse sollten Sie rechtzeitig abklären – diese können zusätzlich von den Steuern abgezogen werden.

Ursula Meier kennt ihre Ansprüche und weiss nun, welche Vorkehrungen sie treffen kann, um ihre Vorsorgelücken zu schliessen. Lassen auch Sie Ihre finanzielle Situation rechtzeitig von unseren Spezialisten analysieren. Eine Vorsorgeanalyse und Pensionsplanung mit der St.Galler Kantonalbank hilft in jeder Lebensphase, Vorsorgelücken zu schliessen sowie steuerliche Vorteile und Optimierungsmöglichkeiten zu nutzen.