Kinderbetreuungskosten richtig geltend machen

Der Vater arbeitet und verdient das Geld, die Mutter macht den Haushalt und sorgt für die Kinder. Auf diesem Rollenbild basierte bis vor wenigen Jahren das schweizerische Steuergesetz. Mittlerweile gehen aber rund die Hälfte aller Mütter einer Arbeit nach – sei es um die Berufsfähigkeit nicht zu verlieren oder die Existenz der Familie zu sichern.

Betreuungsplätze sind teuer und rar

Dass beide Elternteile bzw. Alleinerziehende überhaupt einer Arbeit nachgehen können, machen häufig erst Grosseltern oder andere Verwandte möglich, die sich tagsüber um die Kinder kümmern. Wo eine solche Lösung nur teilweise oder gar nicht möglich ist, bieten sich eine Krippe, ein Tageshort oder eine Tagesschule als Alternative an. Doch die sind teuer und rar. Noch teurer wird es, wenn die Eltern ein Au Pair oder eine Haushälterin anstellen. Dann fallen schnell monatliche Kosten von 1000 bis 2000 Franken an.

In der Schweiz haben Eltern, die ihre Kinder durch Drittpersonen betreuen lassen, die Möglichkeit, diese Drittbetreuungskosten bei der Steuerrechnung abzuziehen. Dazu müssen im Kanton St.Gallen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Kinder bis zum vollendeten 14. Altersjahr;
  • Das Kind lebt im gleichen Haushalt wie die steuerpflichtige Person, die für den Unterhalt aufkommt;
  • Die Drittbetreuung ist notwendig, weil eine allein erziehende Person einer Erwerbstätigkeit nachgeht oder beide Elternteile gleichzeitig einer Erwerbstätigkeit nachgehen;
  • Für die Steuererklärung muss ein klarer Nachweis in Form von Belegen (Rechnungen/Lohnausweise) erbracht werden.

Es muss nicht zwingend ein Babysitter sein

In unserem Fallbeispiel haben Herr und Frau Seeger zwei Kinder im Alter von sieben und neun Jahren. Sie beschäftigen in ihrem Haushalt ein Au Pair. Diese Betreuungskosten kann die Familie gemäss St.Galler Steuerpraxis in der Steuerrechnung abziehen. Abzugsberechtigt sind:

  • Betreuung durch Hausangestellte, Au Pair, Babysitter, Bekannte der Familie.
  • Tages-, Wochen-, Dauerpflege in einer anderen Familie.
  • Wochen- und Dauerpflege in heilpädagogischen Pflegefamilien bzw. Grossfamilien.
  • Stunden- und tageweise Betreuung in Krippen, Horten, Tagesstätten, privaten Kindergärten und Tagesschulen. Private Tagesschulen und Internate sind öffentlichen Institutionen, die sich der Kinderbetreuung annehmen, gleichgesetzt.
  • Betreuung in Erziehungs-, Schul- und Wohnheimen sowie in Wohngemeinschaften.
  • Fahrt zur Betreuungsstätte.

Nicht abzugsfähig sind hingegen sämtliche Beiträge oder Kosten für Vereine und Freizeitbeschäftigungen sowie Ferien- und Sportlager, da sie nur vorübergehender Natur sind und die eigentliche Betreuung der Kinder nicht im Vordergrund steht. Die Kosten für die Inanspruchnahme von Mittagstischen und Aufgabenhilfen sind ebenfalls nicht abziehbar. Sie werden den Lebensunterhaltskosten zugeordnet.

Folgende Berechnung zeigt, wie sich die Abzüge für die Drittbetreuungskosten in der Steuerrechnung Familie Seeger auswirken.

  Herr Seeger Frau Seeger
Einkommen (brutto) CHF 90'000.- CHF 72'000.-
Arbeitspensum 100% 80%
Annahme: Steuerbares Einkommen von CHF 100'000.-

Abzüge, die geltend gemacht werden können:
Kinderbetreuungskosten: CHF 6'000.-
(Au Pair, 12 Monatslöhne à je CHF 500.-)
Steuerersparnis aufgrund
Deklaration der Kinderbetreuungskosten:

CHF 1'668.-

 

Wer ein Au Pair anstellt, sollte sich bewusst sein, dass bestimmte gesetzliche Vorgaben einzuhalten sind. Zum Beispiel: Arbeitsvertrag in Papierform, Ferien, Lohn, AHV-Pflicht, Versicherungen etc. Ganz wichtig: Geld sollte nicht in bar fliessen, sondern immer auf das Bankkonto des Au Pairs überwiesen werden. Denn Bar-Aufwendungen werden vom Steueramt nicht berücksichtigt.

Nur die effektiven Kosten sind abzugsberechtigt

Als Abzug werden die Betreuungskosten stichtagunabhängig berücksichtigt. Vollendet ihr Kind beispielsweise am 20. Mai das 14. Altersjahr, werden die Kosten anteilsmässig bis zum Geburtstag berücksichtigt. Die Drittbetreuungskosten müssen im Laufe des Steuerjahres effektiv anfallen und die Abzugsvoraussetzungen erfüllt sein. Zusätzlich zu den angefallenen Drittbetreuungskosten kann in der Steuererklärung der Kinderabzug (Pauschalwert pro Kind) deklariert werden. Für schulpflichtige Kinder sowie für die Kinder, welche sich in einer Erstausbildung befinden, können zusätzlich zum Kinderabzug die effektiv angefallenen Ausbildungskosten steuerlich geltend gemacht werden.

Informieren Sie sich jetzt bei unseren Experten – sie helfen Ihnen gerne, die Kinderbetreuungskosten in der Steuererklärung richtig geltend zu machen.