Harmonisierung im Schweizer Zahlungsverkehr

Der Finanzplatz Schweiz hat sich dem Abkommen des European Payments Council (EPC) angeschlossen, welches auf dem weltweiten Standard ISO 20022 basiert.

Das Ziel des Abkommens ist es, die vielen unterschiedlichen Formate, Normen und Verfahren im Zahlungsverkehr auf einige wenige zu reduzieren und damit den Zahlungsverkehr auf dem Europäischen Kontinent zu harmonisieren. Dies hat nicht nur bei Finanzinstituten Anpassungen zur Folge, sondern betrifft  alle Unternehmen. Die Software, die für den Zahlungsverkehr eingesetzt wird, spielt dabei eine zentrale Rolle. Unter den nachfolgenden Punkten finden Sie für Ihr Unternehmen wichtige Informationen zum Thema.

Zahlungen Der DTA-Standard für elektronische Zahlungen wird durch die ISO-20022-Meldungen im XML-Format abgelöst.
Kontonummern Sie werden vereinheitlicht und landesweit (bzw. europaweit) ausschliesslich im IBAN-Format dargestellt.
Statusmeldungen Sie werden standardisiert und beinhalten detailliertere Informationen. Diese Information gab es bisher nicht.
Kontoauszüge Die elektronischen Kontoauszüge werden zusätzlich zu den MT940 / MT950 in ISO-20022-Meldungen im XML Format ausgeliefert.
Einzahlungsscheine Die bestehenden orangen und roten Einzahlungsscheine werden abgelöst und durch den einheitlichen Einzahlungsschein mit Datencode ersetzt.
Interbanken Clearing Das fast 30 jährige Bank-zu-Bank Abrechnungssystem (SIC3) wird durch ein moderneres hocheffizientes Clearing System ersetzt (SIC4).

Zeitraum: Die Umstellung für die Kunde-Bank Anbindung findet von 2017 – 2018/2020 statt.

Zahlungen

Mit dem DTA-Format bieten die Schweizer Banken Ihren Kunden die Möglichkeit, verschiedene Arten von Zahlungen mit einem einzigen Datenfile elektronisch an die ausführende Bank zu übermitteln. Dieser DTA-Standard wird abgeschafft und durch den neuen auf XML basierenden ISO-20022-Standard ersetzt.

Die neuen ISO-20022-Meldungen beinhalten alle gewohnten Datensätze des DTA-Standards und wurden ausserdem mit neuen Funktionen erweitert. Dank der Möglichkeit, zusätzliche Referenzen und Inhalte (z.B. End-to-End-Reference) abzubilden, wird die Durchgängigkeit und damit der Automatisierungsgrad (STP) einer Zahlung verbessert. Statusreports werden zukünftig genauere Informationen beinhalten und können somit gezielt weiterverarbeitet werden.

Die St.Galler Kantonalbank plant die Einführung der neuen ISO-20022-Meldungen ab Mitte 2017. Files im alten DTA-Format können in einer Übergangsphase bis spätestens 2018 weiter verwendet werden.

Die neuen ISO-20022-Meldungen im Überblick:

  • pain.001 → Zahlungsauftrag
  • pain.002 → Statusreport

Kontoauszüge

Die elektronischen Kontoauszüge werden frühestens ab 2017 neben dem bestehenden SWIFT-Standard auf Wunsch als ISO-20022-Meldungen im XML-Format ausgeliefert. Wie bisher gibt es den Tagesauszug (SWIFT MT940) und Gutschrift- und Belastungsanzeigen (SWIFT MT900/MT910). Die Wahl zwischen Sammelbuchungen und Einzelanzeigen wird weiterhin möglich sein.

Die neuen ISO-20022-Meldungen im Überblick:

  • camt.053 → Kontoauszug vom Vortag
  • camt.054 → Gutschrift- und Belastungsanzeigen

Lastschrift

Die bestehenden Lastschriftverfahren werden frühestens 2016 durch ein Neues abgelöst. Das neue Lastschriftverfahren wird voraussichtlich mit der E-Rechnung kombiniert und optimiert. Bestehende Lastschrift-Verträge behalten ihre Gültigkeit. Somit bleibt für den Rechnungsteller das Verfahren gleich. Der Rechnungsempfänger erhält zusätzliche Möglichkeiten zur Bezahlung.

Die neue ISO-20022-Meldung:

  • pain.008 → Lastschrift

Einzahlungsschein

Die bestehenden Einzahlungsscheine (Banken und Post) werden frühestens ab 2018 durch den Einzahlungsschein mit Datencode abgelöst. Es wird nur noch einen Einzahlungsschein geben, der die roten und orangen Einzahlungsscheine ablöst. Ein Datencode beinhaltet alle wichtigen Informationen. Hierzu gehören z.B. die Empfängerdaten und der Betrag. Ein einfaches Einlesen mit Beleglesern oder Smartphones wird möglich sein. Voraussetzung dieser Einführung ist die komplett abgeschlossene Migration auf die neuen ISO 20022-Formate. Die herkömmlichen Belege können bis spätestens 2020 eingesetzt werden.

Einzahlungssschein nach ISO 20022

Beispiel des neuen Einzahlungsscheins mit Referenznummer und Datencode.

Umstellungs- und Parallelphasen auf einen Blick

Roadmap Umstellung auf ISO20022

Roadmap für Umstellungs- und Parallelphasen.

Es ist wichtig zu wissen, dass viele Bereiche in einem Unternehmen betroffen sind. Zu allererst empfehlen wir, die Verantwortlichen für das Projekt «Harmonisierung ZV-CH» zu bestimmen. Die verschiedenen Bereiche eines Unternehmens haben je nach Grösse unterschiedliche Aufgaben.

Einige Beispiele, wie Bereiche betroffen sein können:

Management:

  • Entwicklung der Strategie
  • Budget festlegen
  • Personal-Ressourcen zur Verfügung stellen

IT:

  • ERP Systeme anpassen
  • Umsysteme auf XML Durchgängigkeit prüfen und anpassen
  • Mitarbeiter schulen

HR:

  • Gehaltskonten auf IBAN/BIC umstellen
  • Anpassungen im SALÄR Flag

Finanzen/Buchhaltung:

  • Alle Konten abstimmen
  • Evtl. neue Formulare und Verträge
  • Neuen Einzahlungsschein auf Rechnungen verwenden
  • Kundenstammdaten auf IBAN und BIC überprüfen
  • Einflussanalyse vorbereiten und planen
  • Analyse der Ist-Situation
  • Strategieoptionen diskutieren
  • Migrationsstrategie definieren
  • Team für die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs zusammenstellen
  • Zeitplan erstellen
  • Budget definieren
  • Kontakt mit der St.Galler Kantonalbank aufnehmen
  • Relevante Softwarelieferanten kontaktieren und auf die Kompatibilität von ISO 20022-Meldungen im XML Format prüfen
  • IT-Systeme, Schnittstellen modernisieren
  • Mitarbeiter schulen
  • Ausführliche Tests mit der St.Galler Kantonalbank und Softwarelieferanten durchführen
  • Abklären, ob die neuen Meldungen durchgängig zur St.Galler Kantonalbank geliefert werden können (MDAC, EBICS...)
  • Einführung der neuen Systeme und Prozesse
Sicherheit & Qualität Durch die Standardisierung profitiert der Kunde von schnellerem und sicherem Zahlungsverkehr mit hoher Qualität.
Elektronische Zahlungen Die elektronischen Zahlungen werden durch eine erhöhte Automatisierungsrate optimiert, dem sogenannten STP (straight-through-process).
Zahlungsaufträge
ins Ausland
Schnellere und standardisierte Abwicklung von Zahlungsaufträgen ins europäische Ausland.
Geschäftsvorfallcodes Sie erlauben eine bankübergreifende, automatisierte Verarbeitung der Kontoauszüge.
Internationalität Es besteht die Möglichkeit der internationalen Harmonisierung und Optimierung von Bankverbindungen.
Zusätzliche Services AOS Additional Optional Services. Banken werden zusätzliche Dienstleistungen anbieten, um sich im Wettbewerb behaupten zu können.

Was ist ISO 20022?

Die internationale Organisation für Normierungen ISO hat unter der Bezeichnung UNIFI (ISO 20022) eine XML-basierte Spezifikation für Meldungstypen bei Finanztransaktionen definiert. Diese Spezifikation dient als Grundlage für die Harmonisierung im Zahlungsverkehr.

Zur offiziellen Internetseite: www.iso20022.org

Was ist der European Payments Council (EPC)?

Der EPC ist das Koordinations- und Entscheidungsgremium des europäischen Bankensektors im Bereich Zahlungsverkehr. Der EPC hat 72 Mitglieder und damit über 300 Zahlungsverkehrsexperten aus über 30 Ländern (u.a. der Schweiz). Der EPC ist u.a. zuständig für die Unterstützung und Förderung des SEPA.

Zur offiziellen Internetseite: www.europeanpaymentscouncil.eu

Was ist SEPA?

SEPA = Single Euro Payments Area

Die 34 EU- und EWR-Länder, Schweiz und Monaco, welche im SEPA-Raum zusammengefasst sind, haben vor allem drei Hauptziele:

  • Standardisierung der Verfahren für Überweisungen und Lastschriften in Euro
  • Verwendung eines einheitlichen technischen Standards (ISO 20022)
  • Gleichbehandlung von Zahlungen und Lastschriften innerhalb des gesamten SEPA-Raums, inklusive länderüberschreitende Transaktionen.

Zur offiziellen Internetseite: www.sepa.eu

Was bedeutet die Migration Zahlungsverkehr Schweiz?

Migration Zahlungsverkehr Schweiz ist ein Projekt des Finanzplatzes Schweiz. Ziel des Projektes ist es sicher zu stellen, dass alle ISO-20022-Meldungen im XML-Format durchgängig verarbeitet werden können. Gleichzeitig erstellt die Firma SIX Interbank Clearing (Betreiber der Interbankenplattform SIC) ein neues System (SIC4), welches die Interbanken Kommunikation modernisiert.

Was ist eine IBAN?

IBAN = International Bank Account Number

Die IBAN ist die internationale, standardisierte Darstellung einer Kontonummer. Sie löst die nationalen Kontonummern ab und erlaubt eine vollautomatisierte Bearbeitung einer Transaktion.

Aufbau einer IBAN-Nummer

Erfahren Sie mehr zum Thema

Wir werden auf dieser Internetseite regelmässig Informationen zum Thema publizieren. Weitere wichtige und aktuelle Informationen finden Sie auf folgenden Plattformen:

Haben Sie weitere Fragen?

Die Fachexperten der St.Galler Kantonalbank stehen Ihnen gerne zur Seite. Wir freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme per Formular.