Taktwechsel an den Märkten

US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen hat mit dem US-Zinsentscheid Mitte September Öl ins Feuer gegossen. Gerade weil die Märkte unruhig sind, hat die US-Notenbank sich unter anderem gegen den ersten Zinsschritt entschieden. Aber die Märkte jubeln nicht, sondern sie sind gerade wegen der andauernden expansiven Geldpolitik verunsichert.

Die US-Wirtschaft hat sich in diesem Jahr bis anhin erfreulich entwickelt und die Arbeitslosenrate fällt kontinuierlich. Aktuell notiert sie bei 5.1%. Trotzdem hat Janet Yellen den roten Knopf für die erste Zinserhöhung Mitte September nicht gedrückt. Die Fed hält den Leitzins vorläufig unverändert bei 0% bis 0.25%. Und obwohl die Mehrheit der Mitglieder des Offenmarktausschusses FOMC höhere Zinsen noch in diesem Jahr für angebracht hält, ist auch das noch alles andere als sicher. Denn die globale Wirtschaftsentwicklung der letzten Monate sowie der nach wie vor kaum vorhandene Preisdruck verhinderten eine Zinserhöhung. Beides wird sich bis Ende Jahr kaum ändern.

Karten neu gemischt

Janet Yellen hat am 17. September nichts Neues verkündet. Die Probleme in China sind seit Monaten bekannt. Die tiefe Inflationsrate in den USA ebenfalls und auch nicht neu ist, dass die US-Notenbank die US-Wirtschaftsentwicklung zurückhaltend bewertet. Aber die Fed hat die Karten neu gemischt und ihren kommunikativen Fokus verlagert. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt blieb im Zentrum, aber sie bekam Konkurrenz von der Inflationsentwicklung. Dass diese hartnäckig unter dem Ziel von 2% der Fed bleibt, macht den US-Notenbankern keine Freude. Dies hat verschiedene Ursachen. Das unterdurchschnittliche Lohnwachstum von 2% ist ein Teil, aber auch die tiefen Energiepreise sowie der starke Dollar halten die Inflation tief. Stark in den Fokus rückte die Fed im September auch die Unruhen an den Finanzmärkten ausgehend von den Schwellenländern.

Steigende US-Zinsen, weniger Geld in den Schwellenländern

Wenn in den USA die Zinsen steigen, fliesst Geld aus den Schwellenländern ab. Dass die Aktien- und Kapitalmärkte in diesen Ländern aktuell einem grossen Stress ausgesetzt sind, hat damit zu tun. Die Währungen der Schwellenländer verlieren stark an Wert zum US-Dollar. Eine Abwertung zwischen 20% und 40% innerhalb von zwölf Monaten sind eher die Regel als die Ausnahmen. Denn in der Erwartung steigender US-Zinsen verlieren Anlagen in den Schwellenländern an Attraktivität, während US-Dollar Anlagen attraktiver werden. Wenn also Frau Yellen nicht an der Zinsschraube drehte, dann versuchte sie tatsächlich die Märkte zu beruhigen. Sie wollte die Erwartungen hinsichtlich steigender US-Zinsen nach unten schrauben und die Kapitalabflüsse bremsen. Sie erhofft sich, dass ein Ende der Kapitalabflüsse wieder mehr Ruhe an die Finanzmärkte bringt.

Konklusion: Die Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten hat aktuell eine starke Wirkung. Die Kursausschläge an den Aktienmärkten sind hoch, die Risikoprämien an den Kreditmärkten sind ebenfalls gestiegen. In diesem Umfeld können nur noch negative Meldungen die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer gewinnen. Das ist aber falsch. Die Risiken sind da, die Chancen aber auch. Darum halten wir unser Gleichgewicht in Aktien weiterhin.

Anlagestrategie SGKB

Die Anlagestrategie der St.Galler Kantonalbank.